Wie kommt es, dass du als junge Frau dich mit dem Tod auseinandersetzt?

Vielfach werde ich gefragt, wie es kommt, dass ich als junge Frau mich mit dem Tod auseinandersetze. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mir dieses Themenfeld wohl freiwillig nicht ausgesucht hätte. Ich bin durch einen Zufall hineingerutscht.

Auslöser war ein Pflichtmodul in meinem Designstudium. Meine Dozentin Bitten Stetter, welche zum Thema Sterben forscht, initiierte ein Kooperationsmodul mit dem Hospiz Aargau. Zwei volle Tage lang haben wir Studierenden uns zu Beginn des Moduls mit Mitarbeitern aus der Hospizleitung, der stationären Pflege, der ambulanten Sterbebegleitung und der Trauerbegleitung unterhalten.

Das hat eingefahren. Vorher habe ich mich nie aktiv mit dem Tod auseinandergesetzt. Schwierigen Situationen bin ich einfach immer aus dem Weg gegangen. Meinen Grossvater habe ich am Sterbebett nicht mehr besucht, weil ich nicht gewusst hätte, was ich hätte sagen sollen.

Vorgabe des Moduls war es, irgendwo im Themenfeld von Sterben, Tod, Trauer anzuknüpfen. Das Medium war den Studierenden jedoch völlig frei gestellt. Ich persönlich bin vor allem an den Erzählungen der freiwilligen Sterbebegleiter/innen hängen geblieben. Bei Familien, welche Sterbende zuhause pflegen, leisten sie Entlastungsdienste. Immer wieder werden sie in ihrem Alltag mit Fragen, Ängsten und Unsicherheiten der Angehörigen konfrontiert. Diese wissen nicht, was beim Sterben genau passiert oder wie sie sich verhalten sollen.

Diesen Ängsten wollte ich auf den Grund gehen und habe durch Gespräche und Recherchen häufig gestellte Fragen gesammelt. Ich wollte etwas machen, was den Angehörigen in ihrer Situation hilft. Das hätte eine Art Planer sein können, der aufzeigt, wann was passiert und wann sie beispielsweise wen anrufen müssen. Irgendwie bin ich dann aber am Frage-Antwort-Prinzip hängen geblieben – schliesslich gibt es auf die allermeisten meiner gesammelten Fragen auch eine relativ zufriedenstellende Antwort. Weil ich persönlich einfach sehr gerne illustriere, wollte ich die Fragen auch bebildern.

So ist dann im Laufe des Prozesses ein Set mit 23 illustrierten Frage-Antwortkarten entstanden. Ich gab ihm den Namen tot_geschwiegen, weil wir die darin vorkommenden Inhalte wortwörtlich totschweigen.

Abschluss des fünfwöchigen Moduls bildete eine Abschlussausstellung im Stadthaus in Aarau. Unsere Dozentin sagte noch, wir sollen zu unseren Projekten stehen und den Besuchern über unser Projekt erzählen. Ich konnte das teilweise gar nicht, weil meine Arbeit von allem Seiten mit so vielen Leuten umstellt war, die meine ausgelegten Karten in die Hand nahmen und lasen. Am liebsten hätten mir eine handvoll Leute mein Set direkt abgekauft.

Das positive Feedback und der Wunsch von vielen Personen, das Set zu nutzen, war für mich der Auslöser, am Projekt weiterzuarbeiten.

HOSPIZ & DESIGN. Sterben. Tod. Trauer. Pop-up-Ausstellung im Stadtmuseum Aarau, Dezember 2019